22 06, 2016
  • collaborative practice
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    Überblick: Collaborative Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Überblick: Collaborative Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz

In den vergangenen Jahren hat sich im deutschsprachigen Raum eine Reihe von Gruppen und Verbänden organisiert, deren Mitglieder das in den USA bekannt gewordene Verfahren der collaborative practice bzw. collaborative law anbieten.
Collaborative Practice in Deutschland
In Deutschland wurde der Praxistransfer maßgeblich von den Münchener Rechtsanwälten Dres. Gisela und Hans-Georg Mähler geleistet. Sie führten das Verfahren unter der Bezeichnung „Cooperative Praxis“ ein, organisierten eine große internationale Konferenz und bieten regelmäßig Ausbildungsveranstaltungen für Rechtsanwälte und Berufsträger anderer Professionen an. Inzwischen gibt es mehrere regionale Netzwerke von Anwälten und Angehörigen anderer Berufe, die diese oder ähnliche Ausbildungen durchlaufen haben. Neben dem Münchener Netzwerk sind dies vor allem die Plattformen in Südbaden und im Rheinland.
Collaborative Practice in der Schweiz
In der Schweiz gibt es ebenfalls mehrere Netzwerke, die collaborative practice anbieten. In der nördlichen Schweiz und im Raum Zürich operiert der CL-Pool, der das Verfahren als „kooperatives Anwaltsverfahren“ bzw. englisch als „collaborative law“ bezeichnet. In Basel sitzt ein Verein, der sich der Förderung von CLP (kurz für „collaborative law and practice“) in der Nordwestschweiz widmet. Als Dachorganisation fungiert bereits seit vielen Jahren der Verband CLP Schweiz. Größere Aufmerksamkeit erhielt das Verfahren im Frühjahr 2015 durch einen großen Informationsartikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zur Anwendung von collaborative law bei der Vorbereitung einer Ehescheidung.
Collaborative Practice in Österreich
In Österreich fand 2007 der erste europäische Collaborative-Practice-Kongress statt. Die anwaltliche Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhandeln (AVM) bildet die zentrale Anlaufstelle für die Aus- und Fortbildung von Rechtsanwälten in diesem Bereich. Nachdem das Verfahren in Österreich zwischenzeitlich als „kooperatives Anwaltsverfahren“ bezeichnet worden war, ist man nunmehr zum englischen Begriff collaborative law zurückgekehrt. Wer eine entsprechende Ausbildung bei der AVM durchlaufen hat, kann sich in eine Liste von [...]

21 02, 2016

Mediationsausbildung 2016 in Hohenkammer

Die Termine für die Mediationsausbildung 2016 der Münchener Ausbildung zum Wirtschaftsmediator stehen nun fest. Die Ausbildung findet im Herbst/Winter 2016 auf Schloss Hohenkammer nahe des Münchener Flughafens statt.
Mediationsausbildung 2016 für Führungskräfte unterschiedlicher Fachrichtungen
Nach einem einleitenden Fernmodul in Form eines online verfügbaren Podcasts finden die Präsenzmodule der Ausbildung zum Mediator an drei langen Wochenenden am 7. – 9. Oktober 2016, 3. – 6. November 2016 und 8. – 11. Dezember 2016 auf Schloss Hohenkammer statt. Die Mediationsausbildung 2016 richtet sich an Unternehmer, Betriebs- und Volkswirte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Rechtsanwälte, Patentanwälte, Angehörige psychosozialer Berufsgruppen und andere Berufsträger mit Führungsverantwortung und Interesse an intelligentem Konfliktmanagement. Weitere Informationen zum Konzept und zu den Dozenten der Mediationsausbildung 2016 finden sich auf den Webseiten der Münchener Ausbildung; dort kann man sich auch online zur Ausbildung anmelden.
Mediationsausbildung 2016: Aktuelle Entwicklungen im Blick
Der Blog der Münchener Ausbildung zum Wirtschaftsmediator informiert über aktuelle Entwicklungen im Bereich von Mediation, Wirtschaftsmediation und Güterichterverfahren (gerichtsinterne Mediation). Insbesondere zum Thema „zertifizierter Mediator“ könnte sich die Rechtslage in absehbarer Zeit durch eine Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz entscheidend ändern. Bis jetzt ist eine solche Zertifizierungsverordnung in Umsetzung von § 6 des Mediationsgesetzes noch nicht ergangen. Die Aufnahme des zertifizierten Mediators in das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz lässt es aber nicht unwahrscheinlich erscheinen, dass das Justizministerium noch in der laufenden Legislaturperiode eine Endfassung der Verordnung über die Aus- und Fortbildung zertifizierter Mediatoren vorlegt. Diejenigen Ausbildungsinstitute, die sich bis heute noch an der Entwurfsfassung der Verordnung aus Januar 2014 orientieren, werden sich danach auf die Vorgaben der neuen Verordnung einstellen, um eine Ausbildung zum zertifizierten Mediator anbieten zu können. Dabei sind in der Endfassung der Verordnung im Vergleich zum ursprünglichen Verordnungsentwurf allerdings keine grundstürzenden Änderungen zu erwarten. [...]

7 07, 2015

Zertifizierter CP/CL-Anwalt

Das Münchener Ausbildungsinstitut Frank & Lehmann mit Rechtsanwältin Liane Frank bietet im Herbst 2015 eine „Ausbildung zum zertifizierten CP/CL-Anwalt oder Coach“ an. Die Ausbildung findet vom 10. bis zum 12. September 2015 im Institut für Jugendarbeit in Gauting bei München statt. Die Ausbildungskosten betragen 550 € zzgl. USt. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit per E-Mail an kontakt [at] recht-und-familie.de.

Zwei weitere Ausbildungsveranstaltungen finden unter Leitung der Rechtsanwälte Dres. Mähler vom 10. bis zum 13. September 2015 in Kiel und vom 1. bis zum 4. Oktober 2015 in Heidelberg statt. Weitere Informationen dazu finden sich online auf den Seiten des Eidos Projekt Mediation.

7 03, 2015
  • Scheidungsagentur
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    Scheidungsagentur: Umfassendes Angebot zur Eheauseinandersetzung

Scheidungsagentur: Umfassendes Angebot zur Eheauseinandersetzung

In der Schweiz gibt es seit wenigen Monaten eine Scheidungsagentur, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Betroffene routiniert und ohne unnötige Konflikte durch den Prozess einer Eheauseinandersetzung zu begleiten.
Scheidungsagentur online: Organisation an den Scheidungsmanager delegieren
Die Scheidungsagentur versucht, die Unannehmlichkeiten für alle Beteiligten durch Erfahrung und klare Prozesse möglichst gering zu halten. Bei Bedarf nimmt ein Scheidungsmanager insbesondere die notwendige Bürokratie in die Hand. Dazu gehört die Korrespondenz mit Behörden und Versicherungen, die Organisation der räumlichen Trennung der Ehepartner und die beratende Begleitung aller Entscheidungen, die im Hinblick auf die Zukunft zu treffen sind. Ergänzend zu den Hilfestellungen des Scheidungsmanagers stellt die Scheidungsagentur auf ihrer Webseite einen Hilfebereich zur Verfügung, in dem sich Factsheets und Checklisten abrufen und Anschlussangebote realisieren lassen. Der Scheidungsmanager selbst wird über ein Stundenhonorar im niedrigen dreistelligen Bereich entlohnt. Erfahrungsberichte mit dem Angebot sind noch nicht verfügbar, die Preisgestaltung lässt allerdings erwarten, dass die Scheidungsagentur insbesondere von Kunden genutzt werden wird, die bereit sind, für die unaufgeregte Abwicklung der Scheidung einen mittleren vierstelligen CHF- bzw. EUR-Betrag zu verauslagen.
Angebote zur Scheidungsorganisation in Deutschland
Ähnliche Angebote zur Betreuung einer Scheidung werden in Deutschland vereinzelt formuliert, aber in der Regel nur auf begrenztem Professionalisierungsgrad angeboten. Augenfälligster Grund dafür ist die Tatsache, dass es selbst für die einverständliche Scheidung in Deutschland der Mitwirkung zumindest eines Rechtsanwalts bedarf. Das führt zu einem weitgehenden Monopol von Anwälten bei der Scheidungsberatung, teilweise ergänzt durch die Arbeit von Psychologen oder Familienberatungsstellen. Eine Möglichkeit, die Dienstleistungen der verschiedenen beteiligten Berufsgruppen zusammenzuführen, ist das in den USA aufgekommene Verfahren des collaborative law, das auf dieser Seite unter der deutschen Bezeichnung Kokon-Verfahren vorgestellt wird (häufig findet sich auch der Begriff Cooperative Praxis). Vor diesem Hintergrund wird es interessant [...]

17 11, 2014

Termine für die Mediationsausbildung 2015

Im zweiten Halbjahr 2015 führen Professor Dr. Horst Eidenmüller, RA Dr. Andreas Hacke und Dr. Martin Fries wieder gemeinsam eine Mediationsausbildung in der Nähe des Flughafens München durch.
Ausbildung Mediation mit Schwerpunkt Wirtschaftsmediation
Eine neu gestaltete Homepage über die Mediatorenausbildung informiert über das Ausbildungskonzept, die genauen Termine der einzelnen Lehrgangsmodule im Jahr 2015 sowie über die Anerkennung als zertifizierter Mediator. Die Seite informiert auch über häufig gestellte Fragen im Bereich Mediation und Ausbildung und hält eine Möglichkeit zur Online-Anmeldung bereit.
Blog zu Mediation und alternativer Streitbeilegung
Ein eigener Blog informiert abseits der Mediatorenausbildung auch über sonstige aktuelle Entwicklungen im Bereich von Mediation und alternativer Streitbeilegung. Die drei Urheber der Ausbildung, Horst Eidenmüller, Andreas Hacke und Martin Engel, kommentieren hier Neuigkeiten zu Mediations-Veranstaltungen, aktuellen Gesetzesvorhaben, neuer Mediationsliteratur oder Entwicklungen aus der Praxis.

23 09, 2014
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    Cooperative Praxis – Tagungsbeitrag von Dr. Hans-Georg Mähler

Cooperative Praxis – Tagungsbeitrag von Dr. Hans-Georg Mähler

In einem Beitrag zum Tagungsband „Grundlagen und Methoden der Mediation“, herausgegeben von den Professoren Christian Fischer und Hannes Unberath (C. H. Beck, 2014), erläutert der Münchener Rechtsanwalt Dr. Hans-Georg Mähler die Grundlagen des Konsensverfahrens Cooperative Praxis / Collaborative Law / Collaborative Practice (auf dieser Seite bezeichnet als Kokon-Verfahren).
Cooperative Praxis: Verfahrensablauf und Charakteristika
Mähler beginnt mit einem kurzen Überblick über die Geschichte des Verfahrens. Er erläutert die Besonderheiten gegenüber „normalen“ Verhandlungen der Anwälte mit ihren Mandanten und stellt die Bedeutung der Einbindung von Berufsträgern auch nicht-juristischer Berufe heraus (insb. sog. Lego-Modell). Anschließend geht Mähler auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Mediation ein, wiederum unter spezieller Betonung der Einbindung von Vertretern anderer Professionen in das Verfahren Cooperative Praxis. Dies können Psychologen sein, die sich insbesondere in emotional schwierige Situationen einbringen, oder auch – in familienrechtlichen Streitigkeiten – Vertreter des Kindeswohls. Dementsprechend hält Mähler das Verfahren besonders dort für erwägenswert, wo „sachlich-rechtliche Problemstellungen mit psychodynamischen Konfliktkonstellationen verknüpft sind“.
Cooperative Praxis: Ausbildung und Organisation
Schließlich geht Mähler auch auf die Organisation von Rechtsanwälten ein, die dieses Verfahren anbieten. International ist dies die International Academy of Collaborative Professionals (IACP), in Deutschland die Deutsche Vereinigung für Cooperative Praxis (DVCP) und verschiedene regionale Netzwerke. Bei der Ausbildung für das Verfahren haben die Eheleute Dres. Mähler innerhalb Deutschlands Pionierarbeit geleistet und seit 2010 bereits mehrere Ausbildungsveranstaltungen für ausgebildete Mediatoren angeboten. Das nächste Seminar findet im Oktober 2014 statt. Auf den Seiten des Eidos Projekt Mediation kann man sich über die Veranstaltung informieren und dafür anmelden.

18 09, 2014

Cooperative Praxis – Chancen und Risiken

Unter dem Titel „Cooperative Praxis – Chancen und Risiken“ hat die Rechtsanwältin und Notarin Petra Stolter zwei Beiträge im Verbandsteil der Zeitschrift für Kindschafts- und Jugendrecht (ZKJ 2014, 299 f., 343 f.) veröffentlicht. Darin beschreibt sie, wie das Verfahren des collaborative law vor gut 20 Jahren in den USA entstanden ist und sich dann weltweit verbreitet hat. Sie betont die besondere Rolle der Anwälte, die ihr Mandat auf die außergerichtlichen Verhandlungen beschränken, und den Wert der Arbeit in einem Verhandlungsteam unter Beteiligung von Berufsträgern auch nichtjuristischer Professionen. Gegenüber der Mediation sei das Verfahren insbesondere dann vorzugswürdig, wenn sowohl eine rechtliche als auch eine psychologische Begleitung der Parteien notwendig erscheint wie auch in Fällen außergewöhnlicher Komplexität. Zur weiteren Verbreitung des Verfahrens wünscht sich Stolter die Etablierung beruflicher Netzwerke, eine Diskussion über das konkrete Verfahrensdesign sowie eine weitere Klärung der notwendigen Fähigkeiten der Verfahrensbegleiter. Die beiden Teilbeiträge sind im pdf-Format auf den Seiten der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V. abrufbar (Teil 1, Teil 2).

25 06, 2014

Collaborative Law in der Neuen Zürcher Zeitung

Rechtsanwalt Ueli Vogel-Etienne hat einen Beitrag über Collaborative Law in der Neuen Zürcher Zeitung verfasst. Unter der Überschrift „Konfliktlösung als Anreizsystem“ gibt er einen kurzen Überblick über das Verfahren und stellt insbesondere dessen Kostenvorteile heraus. Es sei natürlich nicht richtig, dass Anwälte ihren Mandanten immer zu einem Gerichtsverfahren rieten, allerdings bestehe durch die Anwaltsvergütung vor Gericht doch ein gewisser Anreiz dazu, den Streit (vor Gericht) weiterzuführen. In der Schweiz wird das Kokon-Verfahren nach wie vor ähnlich wie in Österreich mit dem englischen Terminus „Collaborative Law“ oder „Collaborative Practice“ bezeichnet; den in Deutschland teilweise verwendeten Begriff „Cooperative Praxis“ hat man hier bewusst nicht übernommen. Der Beitrag von Rechtsanwalt Vogel-Etienne ist als pdf online abrufbar.

12 06, 2014

IACP Netzwerktreffen 2014 in Vancouver

Das 14. Netzwerk und Fortbildungstreffen (Network and Educational Forum) der International Academy of Collaborative Professionals (IACP) findet vom 23. bis zum 26. Oktober 2014 im kanadischen Vancouver statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „The Art of Holding Hope – Using Collaborative Skills to Open Doors“. Anmeldungen sind über die Seiten der IACP möglich; bis zum 25. August 2014 gibt es einen Frühbucherrabatt.

17 03, 2014

Kokon-Verfahren bei internationaler Kindesentführung?

Die Haager Konferenz für Internationales Privatrecht hat bereits 2012 auf Grundlage des Haager Übereinkommens vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung einen Leitfaden zur Mediation herausgegeben. Darin ist an verschiedenen Stellen auch vom Kokon-Verfahren die Rede (hier bezeichnet als „Kollaborative Praxis“). In der Tat stellen konsensorientierte Methoden wie die Mediation oder das Kokon-Verfahren eine überlegenswerte Alternative gerade für Familienkonflikte mit internationalen Bezügen dar, weil sie Lösungen im Schatten beider Rechtsordnungen ermöglichen. Die das Verfahren betreuenden Anwälte sollten dann allerdings mit den unterhaltsrechtlichen Normen der berührten Rechtsordnungen vertraut sein und die Muttersprachen der beteiligten Familienangehörigen möglichst sicher beherrschen. Das Dokument der Haager Konferenz leuchtet diese und andere Punkte aus und bietet insoweit eine Hilfestellung für die Anwendung konsensorientierter Konfliktlösungsmethoden im Familienkonflikt. Es ist auf den Seiten der Haager Konferenz online abrufbar.