In den vergangenen Jahren hat sich im deutschsprachigen Raum eine Reihe von Gruppen und Verbänden organisiert, deren Mitglieder das in den USA bekannt gewordene Verfahren der collaborative practice bzw. collaborative law anbieten.

Collaborative Practice in Deutschland

In Deutschland wurde der Praxistransfer maßgeblich von den Münchener Rechtsanwälten Dres. Gisela und Hans-Georg Mähler geleistet. Sie führten das Verfahren unter der Bezeichnung „Cooperative Praxis“ ein, organisierten eine große internationale Konferenz und bieten regelmäßig Ausbildungsveranstaltungen für Rechtsanwälte und Berufsträger anderer Professionen an. Inzwischen gibt es mehrere regionale Netzwerke von Anwälten und Angehörigen anderer Berufe, die diese oder ähnliche Ausbildungen durchlaufen haben. Neben dem Münchener Netzwerk sind dies vor allem die Plattformen in Südbaden und im Rheinland.

Collaborative Practice in der Schweiz

In der Schweiz gibt es ebenfalls mehrere Netzwerke, die collaborative practice anbieten. In der nördlichen Schweiz und im Raum Zürich operiert der CL-Pool, der das Verfahren als „kooperatives Anwaltsverfahren“ bzw. englisch als „collaborative law“ bezeichnet. In Basel sitzt ein Verein, der sich der Förderung von CLP (kurz für „collaborative law and practice“) in der Nordwestschweiz widmet. Als Dachorganisation fungiert bereits seit vielen Jahren der Verband CLP Schweiz. Größere Aufmerksamkeit erhielt das Verfahren im Frühjahr 2015 durch einen großen Informationsartikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zur Anwendung von collaborative law bei der Vorbereitung einer Ehescheidung.

Collaborative Practice in Österreich

In Österreich fand 2007 der erste europäische Collaborative-Practice-Kongress statt. Die anwaltliche Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhandeln (AVM) bildet die zentrale Anlaufstelle für die Aus- und Fortbildung von Rechtsanwälten in diesem Bereich. Nachdem das Verfahren in Österreich zwischenzeitlich als „kooperatives Anwaltsverfahren“ bezeichnet worden war, ist man nunmehr zum englischen Begriff collaborative law zurückgekehrt. Wer eine entsprechende Ausbildung bei der AVM durchlaufen hat, kann sich in eine Liste von collaborative lawyers eintragen lassen. Zudem gibt es lokale Netzwerke, die den Transfer des Verfahrens in die anwaltliche Praxis unterstützen und weiter vorantreiben.