Schneller als in allen anderen europäischen Ländern hat sich das Kokon-Verfahren in Frankreich etabliert. Das Verfahren firmiert dort unter der Bezeichnung „droit collaboratif“ und wird dort inzwischen von mehreren hundert Berufstätigen innerhalb und außerhalb der Anwaltschaft angeboten.

Mehrere Berufsorganisationen

Trotz der kurzen Geschichte des Verfahrens in Frankreich haben sich bereits mehrere Einrichtungen zur Vernetzung der teilnehmenden Berufsträger gebildet. Deren erste war die 2009 gegründete Association Française des Praticiens du Droit Collaboratif. Diese Organisation präsentiert sich und ihre Arbeit auf einer anschaulichen Homepage, die auch ein Video mit Antworten zu sieben Fragen zum Kokon-Verfahren bereithält (ähnliche Videos gibt es auch in Englischer und in Deutscher Sprache). Eine zweite Berufsorganisation, die Association des Professionnels Collaboratifs Interrégionale, gründete sich 2011.

Convention de procédure participative

In Frankreich hat das Kokon-Verfahren auch bereits eine eigene gesetzliche Regelung erhalten. Anfang 2012 traten mit Art. 37 des Gesetzes Nr. 2010-1609 die neuen Art. 2062 ff. des französischen Zivilgesetzbuchs (Code Civil) in Kraft. Auf dieser Grundlage können sich die Parteien eines Kokon-Verfahrens auf eine sogenannte procédure participative einigen. Sie verpflichten sich damit zu kooperativen Verhandlungen ohne Anrufung eines Gerichts und vereinbaren für den Verhandlungszeitraum einen dilatorischen Klageverzicht. Eine Klage ist erst zulässig, wenn der vorbestimmte Verhandlungszeitraum abgelaufen ist oder sich der Streitgegner nicht an die Kooperationsvereinbarung gehalten hat. Die Disqualifikationsklausel, die das anwaltliche Mandat auf die außergerichtlichen Verhandlungen begrenzt, ist allerdings in der procédure participative nicht enthalten und muss daher in den Verfahrensverträgen der Parteien gesondert geregelt werden.